Liquiditätskrise

Begriff Liquiditätskrise

Die Liquiditätskrise ist beginnender oder steter Mangel an liquiden Mitteln; sie findet ihren Schlusspunkt in der Zahlungsunfähigkeit.

Begriff Zahlungsunfähigkeit

Die Zahlungsunfähigkeit ist das dauernde Unvermögen des Schuldners, seine Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen.

Ausgestaltungen der Zahlungsunfähigkeit

Erkennbar wird die Zahlungsunfähigkeit durch

  • Zahlungsstockung (Zeitpunkt-Illiquidität)
  • dauerndes Zahlungsunvermögen (Zeitraum-Illiquidität)
  • Zahlungsunwilligkeit (nicht unbedingt identisch mit Zahlungsunfähigkeit)
  • Zahlungseinstellung
  • Insolvenzerklärung des Schuldners.

Merkmale der Zahlungsunfähigkeit

Eine Zahlungseinstellung ist gegeben, wenn der Schuldner

  • Unbestrittene fällige Forderungen nicht mehr bezahlt
  • Mehrere Betreibungen auflaufen lässt
  • Systematisch Rechtsvorschlag erhebt
  • selbst Kleinschulden nicht mehr tilgt.

Reihenfolgen

Fragestellung

Kommt die Liquiditätskrise vor oder nach der Überschuldungskrise?

Zahlungsunfähigkeit ohne Überschuldung

Es gibt seltene Fälle, in denen die Zahlungsunfähigkeit ohne Überschuldung eintritt: Dies hängt von der Branche und den Investitionen ab:

  • Ablösung eines gekündigten Kredites gelingt nicht
    • Langfristige Kapitalanlage ohne Werteinbusse (zB Immobiliengesellschaft)
    • Im Tagesgeschäft gut laufendes Unternehmen
  • Das Unternehmen hat nur eine Bankverbindung und diese führt wegen Meinungsverschiedenheiten den Zahlungsverkehr nicht aus.

Zahlungsunfähigkeit vor Überschuldung

Oft tritt das Liquiditätsproblem vor der Überschuldung ein, vor allem dann, wenn

  • gewisse Unternehmenssubstanz nicht versilbert werden kann wie
    • Lagerbestände
    • Kundenguthaben
  • Vorauskosten für eine Unternehmensexpansion getätigt wurden, die noch nicht oder nicht mehr genutzt werden können wie
    • Entwicklung von Unternehmensprozessen
    • F & E
    • Marketing
    • Aufbau eines Vertriebsnetzes.

Zahlungsunfähigkeit gleichzeitig mit oder nach Überschuldung

Manchmal trifft die Liquiditätskrise gleichzeitig mit oder nach der Überschuldungskrise ein, zB wenn

  • es dem Unternehmen immer wieder gelingt, Kunden zu An- oder Vorauszahlungen zu bewegen
  • die Bank den Geschäftsverkehr trotz Ueberziehung der Kredite oä weiterlaufen lässt
  • Desinvestitionen mit Verlust realisiert werden, dadurch aber doch noch liquide Mittel frei werden.

Liquiditätsmangel macht Überschuldungskrise bewusst

Der Liquiditätsmangel ist oft der „Augenöffner“ für eine mögliche Überschuldung.

Rechte des Schuldners

Es besteht keine Pflicht, nur das Recht zur Insolvenzerklärung (SchKG 191).

Rechte der Gläubiger

Die Zahlungseinstellung berechtigt die Gläubiger eines konkursfähigen Schuldners, die Konkurseröffnung ohne vorgängige Betreibung zu verlangen (SchKG 190 Abs. 1 Ziff. 2).

Gelingt ihnen die Glaubhaftmachung der Zahlungseinstellung nicht, müssen sie den ordentlichen Betreibungsweg beschreiten.

Abwehr Illiquiditätskonkurs

Die Abwehr des Illiquiditätskonkurses ist eine heikle Sache:

  • Bis zur Feststellung der Sanierungsfähigkeit:
    • Aufrechterhaltung des Betriebes
    • unbekannte Strategie
    • gebundene Unternehmensaktiven
    • drängende Gläubiger
  • Nach der Feststellung der Sanierungsfähigkeit:
    • Beschaffung zusätzlicher liquider Mittel für
      • die Aufrechterhaltung des Betriebes während der Restrukturierung
      • die Finanzierung der Restrukturierungsmassnahmen
      • die Befriedigung der Gläubiger, mit deren Bezahlung zugewartet wurde.

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